In der Schule wählen – wie geht das denn?

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In der Schule wählen – wie geht das denn?

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Mit ahnungslosen und gespannten Gesichtern blicken die Schüler*innen der Klasse 8a vom Schillergymnasium in Münster nach vorne und warten auf den Startschuss der Lehrerin. Und kurz darauf dürfen die 8-Klässler*innen auch schon den Klassenraum verlassen. Unruhiges Gemurmel ist auf dem Weg zu dem simulierten Wahlraum wahrzunehmen, der sich ein Stockwerk höher befindet. Hören kann man, wie sich die Kinder darüber austauschen, was denn jetzt passiere und wen man wählen solle. „Sehr viel haben wir nicht darüber gesprochen. Ich weiß gar nicht richtig, wen ich wählen soll, und will auch nichts Falsches tun“, erzählt eine Schülerin, während sie die Treppe hochstiefelt.

Da die Stimmabgabe nur eine Simulation darstellen soll, um den Schüler*innen die Erfahrung einer Wahl im Rahmen einer Landtags-, Bundestags- oder Europawahl in der jeweiligen Schule zu ermöglichen, sollte man sich nicht allzu viele Sorgen machen. Dennoch ist es wichtig, dass die 7. bis 13. Klässler aus ganz Deutschland nach ihrem eigenen Denken und nach ihrer persönlichen Meinung ihre Stimme abgeben. Denn es ist wichtig, die Demokratie wertzuschätzen, welches auch eines der Ziele der Juniorwahl ist.

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Oben angekommen versammelt sich die Klasse vor dem simulierten Wahllokal, um es gemeinsam zu betreten. Innen drin erwarten sie vier Wahlhelfer, welche den Schüler*innen beim Durchführen der Wahl behilflich sind. Anfangs geben sie ihre ausgefüllten Wahlbenachrichtigungen ab und bekommen schließlich einen Wahlzettel ausgehändigt. Anschließend warten sie darauf, dass eine Wahlkabine frei wird, stimmen dort ab und werfen ihre Wahlzettel in die vorgesehene Urne. Die Irritation und Unsicherheit der Schüler*innen ist nicht schwer zu übersehen. Das bestätigt auch ein Schüler aus der 8a: „Auch wenn unsere Stimmen gar nicht zählen, bin ich total aufgeregt und nervös. Ich habe so etwas noch nie gemacht und fand es daher auch sehr spannend und interessant. Vielleicht hätte ich mir noch ein wenig mehr Vorbereitung im Unterricht gewünscht, weil ich bei der Wahl doch ein mulmiges Gefühl hatte. Dennoch war es eine tolle Erfahrung, die mir später bestimmt zugutekommen wird.“

Das Konzept der Juniorwahl soll das Interesse, die Meinungsbildung und das Urteilsvermögen in der Politik fördern, die Wertschätzung des demokratischen Systems vermitteln und die Begeisterung für politische Teilhabe und politisches Engagement wecken. Dies kann nur ermöglicht werden durch Erklärungen und das Näherbringen des gesamten politischen Spektrums durch die Lehrer*innen, was sich viele der Schüler*innen für die nächste Juniorwahl noch mehr zu wünschen scheinen.

Nach der Wahl kehren die 8-Klässler*innen zum Klassenraum zurück, um sich umgehend über die nachgestellte Europawahl auszutauschen. Andere jedoch zeigen kein langanhaltendes Interesse an der Wahl. Daraus schließen kann man die unterschiedlichsten Ansichten im Hinblick auf die Relevanz der Wahlkenntnisse schon im frühen Alter.

Im Gegensatz zu den Wahlergebnissen von NRW und Deutschland vertritt das Schillergymnasium eine starke Tendenz zu den Grünen, welche jedoch im Vergleich zu den letzten Jahren zurückgegangen ist. Auffallend ist auch, dass die AfD bei den Juniorwahlen in ganz Deutschland die drittstärkste Partei ist, wobei sie sich am Schillergymnasium nur unter den sonstigen Parteien befindet, also den am wenigsten gewählten. Die CDU hat auch in dieser Schule viele Stimmen dazugewonnen, genauso wie es bei den Ergebnissen des ganzen Landes zu erkennen ist. Die SPD konnte bei den Juniorwahlen am Schillergymnasium und auch deutschlandweit ebenfalls ein paar Stimmen hinzugewinnen und ist daher die zweitstärkste Partei in Deutschland und die drittstärkste am Schillergymnasium. Parteien, die an dem Gymnasium und in ganz Deutschland souverän abgeschnitten haben, sind zum Beispiel die im September gegründete Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“, kurz BSW, die Linke, die FDP und Volt. Im Großen und Ganzen sieht man zwischen der Juniorwahl und der Europawahl viele Parallelen, wie bei den stärksten Parteien CDU, der AfD und der SPD oder bei dem großen Stimmenverlust der Grünen. Man könnte also interpretieren, dass sich Jugendliche im Alter von 12 bis 18 immer noch sehr von ihrem Umfeld beeinflussen lassen.